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1971 – 1982
Die dritten 11 Jahre
Der kulturelle Wandel, bedingt durch die Medien Rundfunk und
Fernsehen, hat auch längst den Karneval erfasst. Man begnügt sich schon lange nicht mehr mit dem fröhlichen Treiben zwischen Altweiberfastnacht am „Fetten Donnerstag und dem " Hämmelspänzchen " an Fastnachtdienstag, in das man mit beiden Beinen hineinsprang und sich kräftig austobte. Die überregional ausgestrahlten Karnevalssendungen führten zu veränderten Erwartungen und Anforderungen, denen sich die KAFRA und die RITSCH nicht entziehen konnte und wollte. Symbolhaft für die Veränderungen ist es, dass zu Beginn dieser Periode der große Saal des " Weinhauses Arns ", in dem die KAFRA ihre bisherigen großen Erfolge feiern konnte, im Zug eines Umbaus verkleinert wurde. Leider ereilte der Tod weitere, bisher führende Mitglieder, unser Jupp Rupp und Alfons Wagner, die sich beide seit vielen Jahren um die KAFRA sehr verdient gemacht hatten. Sie hinterließen im Verein eine recht schmerzliche Lücke. Ein neuer Saal braucht auch einen neuen Vorstand! Zunächst übernahm Hubert Fritzen 1971/72 die Rolle des Prinzen und 1972 auch das Amt des Vorsitzenden.
Wenn er bisher nur Gast und „Anonymer Umzugteilnehmer“ ge wesen war, so wurde er jetzt ein erfolgreicher Karnevalist, gut unterstützt durch den übrigen Vorstand einschließlich des Kassierers Reinhold Eisenbart und seiner gesunden Kasse. Dieser ist bekannt als „Fraulauterner Original", der es in vielen Sitzungen verstand, die Lachmuskeln der Narren aufs äußerste zu strapazieren. 1972 ging dann die Ära " Bergschenke " für die RITSCH zu Ende, bis zum 28 02. 72 wurden noch sämtliche Veranstaltungen hier unter der Regentschaft von Prinz Norbert I. und Prinzessin Edith I. Norbert Hewer und Edith Becker durchgeführt, durch das ständige Wechseln der Pächter, bzw. Zäpfer, war es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten leider nicht mehr möglich den Gewerbebetrieb weiter aufrecht zu erhalten. Mit der Bergschenke ging ein Teil der alten RITSCH er Tradition, alles in eigener Regie, immer zum Wohle der Mitglieder verloren. Die älteren Mitglieder denken noch oft an die gemütlichen, geselligen Abende, die oft ganz spontan, zuerst war nur ein Ritscher im Lokal und am Schluss fast der ganze Vorstand, zurück. Traditionsgemäß wurde die Session 72/73 am 11. 11 . diesmal schon im umgebauten, aber kleineren Saal durch den neuen Prinzen Josef II. (Josef Bös ) eröffnet. Ein großes Problem wurde jetzt ständig der Kartenverkauf, da durch den verringerten Platz ( im neuen Saal) längst nicht mehr alle Wünsche erfüllt werden konnten. Die anhaltend große Nachfrage bewies jedoch, dass die KAFRA auch weiterhin ein Spitzenprogramm anbieten konnte. Unvergessen ist aus seiner Amtszeit die " Hochzeit Dieda Duda ", an der alle Aktiven mitwirkten und jeder in seiner Rolle, ein Augen‑ und Ohrenschmaus für das hingerissene Publikum war. Tosender Beifall war den Akteuren gewiss.Erstmals im Pfarrheim St. Josef
fand im Januar 73 unter dem Motto " RITSCH eröffnet den Karneval " eine glänzende Kappensitzung statt. Prinz Wendelin I. und Andrea I. ( Wendelin Karb und Andrea Krämer ) begrüßten an diesem Abend eine Abordnung der KG „Grad ze lädz“ aus Beckingen und das Gesangsquartett des Kirchenchor St. Josef.Die Ehe " Dieda Duda ", hielt nur die Session 72/73 und wurde in der darauffolgenden unter der Regentschaft seiner Tollität Prinz Norbert I. unter begeisterter Anteilnahme der Narren wieder geschieden. Die Besonderheit dieser Session (73/74) war es jedoch, dass sie mit dem Foto des Prinzen eröffnet werden musste, da Norbert I. am 11. 11. noch im Krankenhaus lag. Prinz Rolf I. und Cäcilia I. ( Rolf Stadelmeier und Cäcilia Schwarz waren in der Session 73/74 das Prinzenpaar der RITSCH. Da Prinz Rolf zu diesem Zeitpunkt in Stadt Allendorf seinen Dienst bei der Bundeswehr absolvierte, mussten wir uns vor jeder Sitzung die Frage stellen, kommt der Prinz, oder kommt er nicht. Trotz all dieser Schwierigkeiten nahm die RITSCH an der GalaSitzung der städtischen Karnevalsvereine in der Mehrzweckhalle in Saarlouis teil und es wurde erneut die " RISIKO " Sitzung im Pfarrheim durchgeführt. Erstmals wurden die Geschickte der RITSCH von Frau Anna Waldner gelenkt, sie war bereits eine erfahrene Karnevalistin die es stets verstand mit den männlichen Kollegen klarzukommen. Die Session stand unter dem Motto " Ohne Sprit Voll Esprit ". Im Mai 74 nahm die Garde der RITSCH am Grenzlandtreffen in Kreuzweiler/Mosel teil. In der Session 74/75, der Amtszeit unseres Prinzen Werner I . Werner Knauber ) , trat zum ersten Male unsere Seniorengarde unter der Leitung von Christel Rau (K
iefer) stärker in den Blickpunkt. Auf dem Gardetanzturnier belegten sie im Schautanz und Gardetanz den 1. Platz und wurden damit Saarlandmeister. Damit begann eine Serie guter Platzierungen unserer Garde, die bis in die Gegenwart fortgesetzt werden konnte. Angesichts des heute wettkampfmäßig betriebenen Gardetanzes, man muss von einem Leistungssport neuer Art sprechen, ist ein ganzjähriges Training unerlässlich – eine nicht geringe Mühe, der sich die Mädchen unterziehen. Leider konnte in dieser Session kein Prinzenpaar für die RITSCH gefunden werden, dennoch wurden zahlreiche Veranstaltungen im Pfarrjugendheim, in Neuforweiler, in Fremersdorf und Berus durchgeführt. Schwester Oberin Johanna Pattberg aus dem Hospital Fremersdorf wurde zum Ehrenmitglied der RITSCH ernannt. Erstmals tritt der RITSCHer HOFCHOR in Erscheinung und Günter Schleich als " Doofer Gustav " erntet in dieser Paraderolle nicht nur eine Rakete des närrischen Publikums, noch zu erwähnen sind die " Waschweiber Frau Gockelei und Siebensack " Josef und Wendelin Karb. Über das Zeitgeschehen berichtete die „Chorzeitung ", Erwin Schleich, Klaus Hiery, Bernd Giese, Robert Hoffmann und Karl Giese als Leiter. Auch der im Jahr 1972 gegründete " Sta
dtverband der kulturellen Vereine " entwickelte ‑gegenwärtig unter seinem Vorsitzenden Josef Bös neue karnevalistische Aktivitäten. So sind die seither unter seiner Regie jährlich stattfindenden Gemeinschaftssitzungen aller sieben Saarlouiser Karnevalsgesellschaften sowie die Erstürmung des Rathauses am Fetten Donnerstag zu einem festen Bestandteil des Saarlouiser Karnevals geworden. Bei diesen Gemeinschaftsaktionen waren die Aktiven der KAFRA und RITSCH immer mit großen Erfolg beteiligt. Mehrmals wurde diese Großveranstaltung von der KAFRA und der RITSCH ausgerichtet. Leider findet in 1993 diese Veranstaltung nicht statt, da bedingt durch den Rückgang der Zuschauer und das mangelnde Interesse der Karnevalsvereine, kein Programm mehr zu Stande kam. Wir hoffen das diese Veranstaltung in Zukunft vielleicht wieder den früheren Stellenwert bekommt! Der junge Prinz Rudi I. ( Rudolf Thimmel ) , wurde in der Session 75/76 auch Prinz der Stadt Saarlouis. Diese Aufgabe meisterte er mit „Kafranischer Bravour " gekonnt und unter der Leitung von Sitzungspräsident Hubert Fritzen ging vor 1000 Besuchern in der Mehrzweckhalle Saarlouis ein karnevalistisches Feuerwerk über die Bühne. Das "Jahr der Frau " 1976 ging auch an den " Bibbis " nicht spurlos vorüber, denn Martha Krämer und Lilo Thimmel gesellten sich in die Runde dieser illustren Gesangsgruppe. Von 1975 - 76 Übernahm Helmut Westhofen das Amt des Präsidenten der Ritsch und im Mai 1976 übernahm Edmund Tilk das Präsidentenamt. Prinzenpaar wurde Josef I. und Petra I. ( Josef Antoni und Petra Heinen ) unter dem Motto " KG RITSCHAUF HOHER SEE " fanden mit entsprechender Dekoration die Kappensitzungen im Pfarrju
gendheim statt. Beim Orchesterverein Schaffhausen wurde eine Fremdensitzung ausgerichtet. Das Jahr 1977 stand unter dem Motto " Alle hopp, Lautern steht Kopp ". Mit Prinz Heinz I. ( Heinz Reichert ) läuft eine gute Session. Die KAFRA, wie immer mit ansprechendem Programm, stets kritisch in der Auswahl der Büttenredner und anspruchsvoll bei der Dekoration, bleibt weiterhin ein Wertzeichen guten Karnevals, weil man bei ihr " die Narretei einfach ernst nimmt ". In diesem Jahr erhielt unser Ehrensenator Hans Schleich das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine jahrzehntelange kulturelle Tätigkeit als Laienspieler ( und natürlich auch als Karnevalist) . In einer besonderen Feierstunde erhält er diese hohe Auszeichnung aus der Hand des Innenministers Alfred Wilhlem. Hier wären, neben anderen, H.Arns, 0.Buschikowski, Rita und Reinhold Eisenbbart, G.H. Haffner, H. Schmitt, H.Jenal, L. Mock, H. Schmitt, A. Siman, K.Odenthal zu nennen, die sich in jeder Session um die „KAFRA“ verdient gemacht haben. An dieser Stelle sei auch dem Mann gedankt, der seit langen Jahren als Schriftführer der KAFRA keine leichte Arbeit hatte und viel Zeit für den Verein aufwenden musste: Josef Schönborn.Mit Hans Jochen Hawner wurde 1976 ein Mann Präsident der RITSCH der die momentanen Schwierigkeiten des Vereines meisterte. Jochen war nicht nur ein exzellenter Büttenredner, sondern auch ein Sitzungspräsident der ersten Klasse. Prinz Peter I. und Prinzessin Annette I. ( Peter Hamacher und Annette Hamacher wurden im Saale des Gasthauses "' Harmonie " den Ritschern Narren vorgestellt und an der Sitzung im Januar 77 proklamiert. Zu erwähnen wäre noch der gekonnte Vortrag vom "' Schützen Knoddel Günter Schmitt.Kaum sind die Kostüme und Fräcke eingemottet, steht die neue Session schon an. Zwischendurch wurden die Bindungen durch Sommerfeste, Familienausflüge oder Teilnahme an der " Saarlouiser Woche " gefestigt, für uns auch eine Gelegenheit, den Männer und Frauen hinter der Bühne für ihre Tätigkeit zu danken. Durch die Session 77 / 78 begleitete uns Prinz Manfred I. ( Manfred Schnubel ) , seit Jahren schon aktiver Sänger und Büttenredner. Dies gilt auch für die " Bibbis " die allesamt aktive Sänger im " Sängerbund " sind, was beweist, dass gegenseitige Unterstützu
ng im Vereinsleben einer Gemeinde unerlässlich ist. Auch sei darauf verwiesen, dass einige unserer „Bibbis“ gleichzeitig aktive Büttenredner bester Qualität waren, stellvertretend sei Klaus Gergen genannt, der seit langen Jahren fester Bestandteil des Programms in den letzten Jahren in seinen Paraderollen Ausflüge in die Antike bzw. Mythologie unternahm und dabei oft erstaunliche Parallelen zur heutigen Zeit entdecken konnte.Am 11. 11. 77 wurde Wolfgang I. und Barbara I. ( Wolfgang Scharfe e und Barbara Scharfe) zum Prinzenpaar der RITSCH proklamiert, beiden waren auch in dieser Session das Prinzenpaar der Stadt Saarlouis. Erstmals trat in dieser Session das RITSCHer Männerballett bei der Galakappensitzung auf.Mit dem Tanz " Wini Wini " eroberte man das Publikum und man kam nicht ohne Zugabe von der Bühne, ebenfalls wurde im Altenheim Fremersdorf eine Kappensitzung durchgeführt. Nicht zu vergessen die Fahrt an die Mosel, wo Adelheid Rübel für den Vorstand eine Weinprobe organisiert hatte.Das Jahr 78 brachte noch eine Veränderung im Vorstand. Alfons Simon wird Vorsitzender; dabei erleichtert ihm seine jahrzehntelange Praxis als Karnevalist sicher diese Aufgabe.Prinz Berthold I. ( Berthold Klein ) ist in der Session 78/79 der vorerst letzte der KAFRA, da aufgrund einer Absprache mit den Karnevalsgesellschaften „RITSCH“ und „Blau‑Weiß“ künftig ein gemeinsamer Prinz über das närrische Lauterer Volk regieren soll.Gerhard I. und Monika I. ( Gerhard Einmahl und Monika Tschöpe ) waren dann auch das RITSCHER Prinzenpaar welches letztmalig in der alten Tradition proklamiert wurden. Erstmals traten die Frauen des Vorstandes als Frauenballett auf und die Garden der RITSCH nahmen erstmals in diesem Jahr beim Gardetanzturnier teil. 1979 wurde die RITSCH Mitglied des BDK und VSK.Rudi Schober ü
bernahm 1979 das Amt des Trainers der Garden der KAFRA.In der Session 79/80 feierte die RITSCH ihr 2 x 11 jähriges Vereinsjubiläum. Als erstes Ortsprinzenpaar wurde Prinz Friedebert I. und Simone I. (Friedebert Walmroth und Simone Walmroth ) am 11.11.79 im Weinhaus Arns inthronisiert. Die Jubiläumskappensitzung wurde in der Steinrauschhalle durchgeführt, wir konnten hier über 850 begeisterte Narren begrüßen. Zu erwähnen ist noch der herrliche Prunkwagen, mit dem an den Saarlouiser Umzügen in Roden und Saarwellingen teilgenommen wurde. Im April gab es dann noch eine Veränderung im Vorstand, Günter Optenhöfel übernahm das Amt des Präsidenten der RITSCH.1980 war zugleich das Jubiläumsjahr unserer Stadt, Saarlouis feiert sein 300 jähriges Bestehen. Am historischen Festzug nahm eine große Abordnung der KAFRA teil, die RITSCH bewirtschaftete einen Stand auf dem Piperparkplatz. Leider fiel dieser Tag, sprichwörtlich ins Wasser, denn sehr starke Regenfälle am Mittag, ließen nicht nur die historischen Uniformen aufweichen, sondern hielten auch viele Besucher aus der Stadt fern.Die Session 80/81 wurde erstmals gemeinsam, KAFRA und RITSCH, am 08.11.80 im W
einhaus Arns eröffnet. Prinzessin Simone I. verabschiedete sich singend vom närrischen Publikum und legte somit den Grundstein, für ihre weitere gesangliche Aktivität. Ortsprinzenpaar von Fraulautern wurde Prinz Gustav I. und Paulette I. ( Gustav Deutsch und Paulette Deutsch ) von der CC Blau Weiß. Das Männerballett der RITSCH nimmt erstmalig am Gardetanzturnier in Klarenthal teil, Ambosspolka, Skischuhe und Ballettröckchen waren das Markenzeichen der Truppe, Auftritte bei der Gemeinschaftskappensitzung rundeten das Tanzspektakel ab, ein unvergessener Tanz.In der Session 81/82 beging die KAFRA unter der Regentschaft von Prinz Michael II. ( Michael Simons ) ihr 3 x 11 jähriges Vereinsjubiläum. Mit Prinz Michael II. hat die KAFRA einen neuen herausragenden Büttenredner der letzten Jahre und die Bibis einen ebensolchen Sänger gefunden. Michael war der 1. Sitzungspräsident unserer Gesellschaft und wohl kaum ein zweiter führte mit solch einer Brillianz verschiedene Dialekte, rheinischer Frohsinn und Witz durch die Sitzungen unserer Gesellschaft. Bei einem feierlichen Festkommers am 09.01.82 im Weinhaus Arns und bei 3 gelungenen Galasitzungen wurde das Jubiläumsjahr gebührend gefeiert. Die RITSCH machte sich in dieser Session den Namen " Konfetti Ritsch ", denn wer die Gesellschaft bei den Umzügen in Saarlouis, Saarwellingen und Roden erlebte, der wusste wo der Namen herkam
. Am Rande sei erwähnt, dass in diesem Jahr 28 Zentner Konfetti geworfen wurde, ganz zum Leidwesen der städtischen Straßenreinigung. Wenn wir nun schon 3 x 11 Jahre feiern können, so können wir, Aktive, Gönner und Vorstand, stolz auf die bisherigen Leistungen sein, insbesondere auch deshalb, weil die KAFRA und die RITSCH in all den Jahren immer zu den Hochburgen des saarländischen Karnevals zählten und dadurch bis weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt sind. Zwar sagt man uns, wie allen Karnevalisten nach, dass wir das Tun um die Faasend zu ernst nehmen würden, doch haben wir stets versucht und wollen dieses auch weiterhin, in unseren Veranstaltungen Freude, Spaß und Humor vermitteln. Wenn der Funke überspringt und zündet, ist dies dann für uns der Lohn unserer Arbeit während des Jahres zur Pflege dieses Brauchtums.
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